Endmontage von Dampflok 99 4721 „Emma“ schreitet voran

Geschrieben am um 23:44

Die Endmontage ist weit fortgeschritten.

Bereits einige Jahre ist die Aufarbeitung an der vereinseigenen Dampflok im Gange. Die Finanzierung läuft weitgehend über Fördermittel und Spenden. Im Folgenden wird über Fortschritte der Endmontage berichtet, die in der RVE-Schienenfahrzeugwerkstatt im sächsischen Marienberg erfolgt.

Arbeiten am dampfführenden Teil

Der dampfführende Teil ist an der Lok zu großen Teilen fertiggestellt. Neben den Ein- und Ausströmrohren der Zylinder wurden auch mehrere Speiseleitungen gebaut und Anschlüsse am Hauptdampfverteiler gelegt.

Am Hauptdampfverteiler kann das Personal verschiedene Aggregate wie Luftpumpe und Turbogenerator durch das Öffnen von Ventilen versorgen. Aber auch die Strahlpumpen zur Versorgung des Kessels mit Wasser, das Läutewerk und weitere sind von dort steuerbar.

Die Frontpartie der Lok wird noch durch Kupplungskopf, Laternen und Bremsbauteile ergänzt.

Der Hauptdampfverteiler wurde als Ersatzteil neu beschafft, um die notwendige Anzahl der Anschlüsse sicherzustellen, die für den Einsatz als streckentaugliche Museumslok gestiegen ist. Bei der Aufarbeitung dieses Ersatzteils wurde in Abwägung zwischen Aufwand und Sicherheitsaspekten die Entscheidung getroffen, die Ventile am Dampfverteiler durch Neuteile zu ersetzen.

Einzelne Teile sind noch in Arbeit, bevor der Meilenstein des dampfführenden Teils der Lok abgeschlossen werden kann. Dazu gehört der Anschluss für ein Kesseldruck-Prüfmanometer auf dem Führerstand, das sich beim Montageversuch schafhaft zeigte. Dafür konnte abermals Ersatz über das Eisenbahnmuseum Bochum beschafft werden, wofür sich der Verein erneut bedankt.

Darüber hinaus sind noch Arbeiten am Sicherheitsventil notwendig. Wenn dies erledigt ist, ist ein Probeanheizen bzw. die Warmdruckprobe in der Werkstatt in Marienberg vorgesehen.

Schmierung

Die Ölpumpe wurde umfangreich aufgearbeitet und auf dem Führerstand montiert. Der Antrieb erfolgt mechanisch über das Gestänge der Lok während der Fahrt – dieser wurde individuell neu gefertigt. Über Öldruckleitungen vom Führerstand aus werden die Zylinder und die Luftpumpe versorgt – an deren Versorgungspunkten sind Ölsperren als langlebige Neuteile aus Sachsen, die sich bereits bei anderen Loks bewährt haben, verbaut worden.

Das Dampfläutewerk der 99 4721

Darüber hinaus sind bereits viele kleinere Arbeiten durchgeführt worden: so ist der Verein stolz und glücklich, dass er die Gelegenheit hatte, ein Dampfläutewerk der Bauart Latowski zu übernehmen zu können. Die gleiche Bauart des Läutewerks war auch auf der originalen Lok 99 4721 verbaut – der Verein orientiert sich bei der Aufarbeitung von Lok „Emma“ am historischen Vorbild und versucht sie an das historische Original anzunähern, soweit es im Rahmen der Möglichkeiten des Vereins machbar ist. Entgegen der ersten Planungen bei Start der Aufarbeitung der Lok wird also doch kein „moderneres“ druckluftgesteuertes Läutewerk der Bauart Knorr zum Einsatz kommen. Nach positiver Befundung der „Dampfbimmel“ ist das Läutewerk bereits zwischen Reglerdom und Esse montiert und angeschlossen.

Viele Teile sind im Führerstand bereits montiert.

Ausstattung: mit Liebe zum Detail

Einige Vereinsmitglieder und Unterstützer arbeiten aktiv zu, um den Fortgang der Arbeiten sicherzustellen. Als weiteres Schmankerl wurde aus dem Kreis der Unterstützer eine Dampfpfeife sächsischer Länderbahn-Bauart zugespielt. Sie ist an der Vorderseite des Führerhausdachs montiert und ebenfalls bereits mit Versorgungs- und Betätigungsanschlüssen versehen. Gemeinsam mit dem Dampfläutewerk wird die Pfeife für einen unverkennbaren Klang von „Emma“ sorgen.

Auch Nutzerfreundlichkeit und Ergonomie hat das Dampflokteam durchgehend im Blick: der vergleichsweise kleine Führerstand wird bei Fertigstellung mit zahlreichen Bedienelementen und Armaturen versehen sein. Daher galt es von Anfang an, die Ausstattung koordiniert vorzunehmen. Einerseits, um sich für spätere Elemente nicht „zuzubauen“. Aber auch unter dem Gesichtspunkt, dass diese fürs Personal künftig leicht erreichbar einfach bedienbar platziert werden. Dazu gehört u.a. eine gute Sichtbarkeit der relevanten Manometer für Lokführer und Heizer, aber auch die Freihaltung der später erfolgenden Platzierung von Teilen der Beleuchtung.

Es wurde entschieden, dass an der Führerhausrückwand die Platzverhältnisse ausreichen, um dort eine Sitzbank zu platzieren. Sie ist mit mehreren Türen ausgerüstet, um primär als Werkzeug- und Ausrüstungskasten zu dienen.

Aktuell ist weiterhin ein Aufsatz für den linken Vorratskasten in Arbeit, um die verfügbaren Kohlevorräte auf der Lok zu optimieren.

Weitere Schritte

Die Vervollständigung der Dampflok mit weiteren Anbauteilen erfolgt bei den weiteren Arbeiten im wesentlichen bei zwei Funktionsgruppen: einerseits ist die Elektroanlage zu installieren. Dazu gehört ein Hauptverteilerkasten mit Schaltelementen, um den Turbogenerator mit den Laternen der Spitzenbeleuchtung und der Führerstandsbeleuchtung zu verbinden. Auch die Montage einer Triebwerksbeleuchtung ist angedacht.

Die Ausstattung der Lokführerseite lässt die Vorfreude auf die Inbetriebnahme steigen.

Zudem wird die Druckluft-Bremsanlage vervollständigt. Ein Bremszylinder passender Dimensionen konnte kürzlich an einer anderen Lok als Ersatzteil durch den Verein gewonnen werden. Dieser wird benötigt, da bei der zuvor in Rumänien durchgeführten Aufarbeitung der Lok augenscheinlich ein Bauteil aus dem Kfz-Bereich verbaut wurde, das eisenbahnrechtlich als nicht bahnfest gilt. Um einen für die Schmalspurbahn in Magdeburgerforth, die nach ESBO betrieben wird, abnahmefähigen Zustand zu erreichen, war der Bremszylinder also auszutauschen. Die Befundung des Tauschteils verlief positiv, so dass dem Einbau nichts mehr entgegensteht. Dieser Anpassung entsprechend wird auch die Bremsberechnung der Lok für die Dokumentation zur Abnahme entsprechend angepasst.

Zu den weiteren Schritten an der Druckluftbremsanlage gehört die Installation der Luftbehälter, das Anbringen der Brems- und Steuerventile sowie die zugehörige Verrohrung bis hin zur Hauptluftleitung – die an beiden Fahrzeugenden mit Bremsschläuchen zur Kupplung anderer Fahrzeuge abgeschlossen wird.

Neben der Elektrik und Bremsanlage werden weitere kleine Restarbeiten durchgeführt, bevor die abschließende Lackierung der Lok vorgesehen ist.

Gestiegene Kosten

Gegenüber dem vom Verein anvisiertem Finanzplan haben sich im Laufe des Projektabschnitts „Endmontage“ Mehrkosten gegenüber der ursprünglichen Kalkulation ergeben. Dies ist auch, aber nicht nur auf nachträglich zu Tage getretene Schäden an Baugruppen und deren Reparatur bzw. Beschaffung von Ersatz zurückzuführen. Der Verein ist mit der RVE-Werkstatt in Marienberg in regelmäßigem Austausch, um das Projekt trotz dieser Herausforderungen erfolgreich abzuschließen.

Der Verein sieht die Finanzierung insgesamt auf einem guten Weg, wozu auch der sehr positive Spendeneingang beiträgt. Jedoch ist das Gesamtprojekt ist noch nicht vollständig ausfinanziert. Nach den Werkstattarbeiten werden im Rahmen von Abnahme und Transport, aber auch der Erstausstattung und Infrastruktur in Magdeburgerforth weitere Kosten anfallen. Der Verein bittet daher weiterhin für die Inbetriebnahme der Lok um Spenden.

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